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Die Reform der Reform PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Lisa Neher   
Montag, den 16. November 2009 um 21:50 Uhr
Kommentar zu den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz vom 15.10.2009

Auf einmal kommen aus der Politik wohlgemeinte Appelle, die Studiengangsreform, die Umstellung von den Magister- und Diplomstudiengänge auf Bachelor und Master, nachzubessern. Grund dafür sind auch die Bildungsstreiks im Juni. Doch mit diesen Versprechen auf Reformen der Reform wird der aufsässige Student nur zum Schweigen gebracht und anstehenden Protesten wird so die Legitimation genommen.

Auf der Kulturministerkonferenz wurde der Beschluss verkündet, dass die Studienzeit des Bachelors von sechs auf sieben oder acht Semester angehoben werden kann, dieses Zugeständnis ist schon insofern eine Farce, dass der Bologna Prozess Bachelor Studiengängen eine Studienzeit von sechs bis acht Semestern einräumt, für die Durchführung sind die Universitäten selbst zuständig. Das große Versprechen des Bologna Prozesses, die Allgemeingültigkeit von Abschlüssen und die Möglichkeit die erbrachten Leistungen an anderen Unis und in anderen Ländern anerkannt zu bekommen, soll endlich eingehalten werden. Und schließlich soll auch die Prüfungsdichte abgebaut, und damit der Verschulung der Studiengänge Einhalt geboten werden.

Doch diese Zugeständnisse berühren das Wesen der Umstellung nicht.

Worin liegt der Unterschied eines auf sechs oder acht Semester beschränkten Studiums? Einzig und alleine in einem Jahr mehr Zeit, doch dieser quantitativer Unterschied ist noch lange kein qualitativer. Umgekehrt war die Umstellung von einer Regelstudienzeit, die es in den alten Abschlüssen gab, auf die strikte Vorgabe im Bachelor und Master ein qualitativer Unterschied. Qualitativ heißt, dass hier aus einer Empfehlung (die zwar auch knallharte Folgen z.B. in der BAföG Vergabe mit sich zog, aber nicht mit der Exmatrikulierung und dem Verlust des Prüfungsanspruchs sanktioniert werden konnte) eine Reglementierung wurde. Wenn jetzt diese Reglementierung gelockert wird, ändert das nichts daran, dass es eine Regel ist, die dem Studierenden die Freiheit nimmt, selbst entscheiden zu können, wie lange er braucht, um sich gewisse Fähigkeiten und Inhalte beizubringen.

Das ganze Gerede von einer besseren Studierbarkeit schlägt in die Denkweise, dass die Universität ein Ort ist, an dem man sich Bildung abholen kann. Möglichst studierbar, in kleinen Schritten, die in der Prüfungsordnung vorgegeben sind, serviert. Diese Schritte waren jetzt nicht verdaubar genug und hierin muss korrigiert werden. Diese Denkweise entmündigt den Studierenden und ist so fest verankert, dass diese selbst einen Erfolg in diesen Änderungen sehen. Es ist ein Erfolg, dass die Bildungsproteste im Sommer so groß waren, dass sie nicht geleugnet werden können, die Reaktionen darauf zeugen allerdings nur vom Unverständnis der Forderungen.

Der Tenor ist, der Geist von Bologna ist gut, die Umsetzung schlecht. Doch damit werden die Forderungen des Bildungsstreik nicht mal ansatzweise erreicht, die unter anderem die Abschaffung des Bachelor- und Mastersystems beinhalten. Diese neuen Studiengänge stehen dafür in einem zweigliedrigen System Unterschiede zu manifestieren, scheinbar entsteht damit eine neu gewonnene Freiheit zwischen zwei Abschlüssen wählen zu können, aber tatsächlich wird mit der Zweigliedrigkeit eine neue Hürde installiert und keine neue Wahlmöglichkeit geschaffen. Zu diesem Geist gehört auch die feste Vorgabe der Studiendauer. Unter dem Label Bachelor kann es keinen unbegrenzten Studiengang geben. Aber nicht nur, dass die Selbstbestimmung in der Dauer des Studiums beschnitten, sogar ganz aufgehoben wurde, nein auch der Inhalt des Studiums wird in der Modularisierung soweit vorgegeben, dass man nicht mehr von einem selbstbestimmten Studium sprechen kann.

Die Forderung des Bildungsstreiks ist und bleibt ein freies und selbstbestimmtes Studium, d.h. ein freier Zugang zur Universität, unbegrenzte Studiendauer, gleichberechtigte Mitbestimmung an der Hochschule und den Prüfungsordnungen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. November 2009 um 18:40 Uhr
 

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